FIP-INSTITUT

Brücken der Begegnung: Ein Dialog auf Augenhöhe

Gruppenbild
v. l. n. r.: Klient Herr K., Olaf Kretschmer (Geschäftsführer FIP Teilhabe) und Tobias Liebig (Mitarbeiter) beim Projekt „Brücken der Begegnung“.

Am 14. Juli 2025, in den Räumen unserer Zentrale, wurde im Rahmen des Projekts „Brücken der Begegnung“ etwas spürbar, das in der politischen Kommunikation oft zu kurz kommt: Zeit. Zeit zum Zuhören, Zeit zum Nachfragen, Zeit, um Widerspruch auszuhalten. K. (Name geändert), ein Klient unseres Hauses, traf auf Armand Zorn, Mitglied des Deutschen Bundestages und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Von Beginn an lag in der Begegnung der Ernst der Themen, aber auch die Chance, dass Politik nicht als ferne Instanz erscheint, sondern als Gesprächspartner.

Die ersten Minuten waren tastend. Man merkte beiden Seiten an, dass Erwartungen im Raum standen und dass dieses Treffen nicht als freundlicher Fototermin gedacht war. K. wählte einen konfrontativen Einstieg und machte unmissverständlich klar, dass er keine wohlklingenden Sätze hören wolle. Er habe zu oft erlebt, dass Zusagen folgenlos blieben. Gerade diese Offenheit veränderte den Ton: Statt auszuweichen, blieb Zorn bei der Kritik, hörte zu, fragte nach und nahm die Einwände ernst. Aus dem möglichen Schlagabtausch wurde ein Austausch, der nicht weichgespült wirkte, sondern konzentriert und respektvoll.

Begleitet wurde das Gespräch von Tobias Liebig, Mitarbeiter des FIP Frankfurter Privatinstitut für Psychische Gesundheit – Teilhabe GmbH. Er war vor Ort, um bei Bedarf zu vermitteln, Begriffe zu klären oder den roten Faden zu sichern. In der Praxis blieb seine Rolle eher im Hintergrund, weil das Gespräch auch ohne viel Moderation in Bewegung blieb. Es wurde nicht nur gesprochen, sondern tatsächlich aufeinander reagiert, manchmal mit Zustimmung, manchmal mit Gegenfragen, aber selten aneinander vorbei.

K. schilderte sehr konkret, wo der Alltag schwer wird: die Wohnungssuche, bürokratische Hürden, die Erfahrung, mit einer psychischen Erkrankung im Arbeitsmarkt oft nicht gesehen zu werden. Ein Schwerpunkt war die Krankenversicherung. K. fragte, ob es nicht an der Zeit sei, private und gesetzliche Krankenversicherung zusammenzuführen und eine solidarische Bürgerversicherung für alle zu schaffen. Zorn bestätigte, dass dieses Ziel für die SPD zentral sei, bislang aber politisch nicht durchsetzbar. Er kritisierte, dass gesetzlich Versicherte indirekt auch privat Versicherte mitfinanzierten, und bekräftigte das Ziel eines gerechteren, solidarischeren Gesundheitssystems, das niemanden ausschließt.

Armand Zorn (MdB) im Gespräch

Auch andere Themen kamen zur Sprache, darunter Medikamentenengpässe, Migration, Familiennachzug und Klimaschutz. Entscheidend war dabei weniger die Liste als der Blickwinkel: Die Fragen standen nicht abstrakt im Raum, sondern waren an Lebensrealitäten gebunden. Zorn betonte, Politik dürfe nicht über Menschen hinweg entscheiden. Sie müsse mit ihnen sprechen und aus ihren Erfahrungen lernen. In diesem Moment wurde deutlich, warum solche Formate mehr sind als ein Termin im Kalender: Sie übersetzen politische Debatten zurück in die Sprache des Alltags.

Zum Schluss ging es um Arbeit und Teilhabe. K. kritisierte, dass Betroffene in Werkstätten oder Arbeitsprojekten häufig nur eine Aufwandsentschädigung erhielten, die oft unterhalb des Mindestlohns liege und zudem auf die Grundsicherung angerechnet werde. Seine Frage zielte auf das Konkrete: Was braucht es, damit der Zugang zum regulären Arbeitsmarkt nicht Ausnahme bleibt? Zorn räumte ein, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen weiterhin zu selten echte Chancen auf tariflich entlohnte, reguläre Beschäftigung hätten. Die SPD setze sich dafür ein, mehr Teilhabe am ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen, Barrieren abzubauen und gezielte Programme zu fördern. Besonders wichtig seien dabei Anreize für Unternehmen, Menschen mit psychischen Erkrankungen einzustellen – nicht aus Mitleid, sondern aus Überzeugung, dass Vielfalt und Inklusion unsere Arbeitswelt bereichern.

Das Treffen zeigte eindrucksvoll, wie viel sich verändern kann, wenn Begegnung nicht auf Höflichkeitsformeln reduziert wird. Wo Menschen einander wirklich zuhören, entsteht Vertrauen. Und wo Erfahrungen ernst genommen werden, verschieben sich Perspektiven, manchmal leise, aber spürbar.

Das FIP Frankfurter Privatinstitut für Psychische Gesundheit – Teilhabe GmbH will das Projekt weiter vorantreiben und solche Gespräche ermöglichen. Denn Veränderung beginnt dort, wo Menschen sich begegnen: mit Aufmerksamkeit, Respekt und dem Mut, Brücken zu bauen.