Brücken der Begegnung: Wenn Zuhören verbindet

Im Rahmen unseres Projekts „Brücken der Begegnung“ traf eine psychisch erkrankte Frau auf die Politikerin Frau Feldmayer – ein Gespräch, das berührte, bewegte und Brücken schlug zwischen Lebensrealitäten, die oft weit voneinander entfernt scheinen.
Die Klientin sprach offen über ihr Leben, über das Stottern und ihre Persönlichkeitsstörung, die sie lange Zeit isolierten und verletzlich machten. Besonders eindrücklich schilderte sie, wie sie Diskriminierung erfahren musste – bei Ärzt*innen, in Ämtern, und schon als Kind in der Schule. Doch sie sprach nicht nur über Schmerz, sondern auch über Hoffnung: Die qualifizierte Assistenz zur sozialen Teilhabe, früher das betreute Wohnen, habe ihr geholfen, schwierige Situationen zu bewältigen und wieder Vertrauen zu fassen. Sie betonte, wie wichtig es sei, jemanden an seiner Seite zu haben – sei es ihre Therapeutin, ihre Kirche oder die Sprachschule, die ihr neue Wege eröffnet hat.
Ein zentrales Anliegen war ihr die Antistigma-Arbeit, besonders in Schulen. Sie bat Frau Feldmayer eindringlich, sich für Kinder und Jugendliche einzusetzen, damit niemand mehr so ausgegrenzt wird, wie sie es einst wurde.
Das Gespräch berührte auch sensible Themen wie Make-up und Kleidung – einerseits Ausdruck von Selbstfürsorge und Routine, andererseits ein Mittel, um überhaupt ernstgenommen zu werden. Die Klientin sprach über die feine Linie zwischen Selbstschutz und gesellschaftlichem Druck. Besonders bewegend war ihr Bericht über pädagogisch begleitete Begegnungen mit einem Pferd, durch die sie ihr inneres Schutzschild durchbrechen und wieder Nähe zuzulassen konnte.
Ein weiterer Lichtblick in ihrem Leben ist die Liebe zur Kunst – insbesondere zur Oper und zum Theater. Diese kulturellen Erlebnisse geben ihr Kraft, Inspiration und Lebensfreude. Sie erzählte, wie sie regelmäßig Karten bestellt, sich auf Aufführungen freut und dort als gern gesehener Gast willkommen ist – auch mit Rollator und Reisestock. Diese Akzeptanz und Selbstverständlichkeit im kulturellen Raum bedeuten ihr viel und zeigen, wie Inklusion ganz praktisch gelebt werden kann.
Frau Feldmayer hörte aufmerksam zu, stellte einfühlsame Rückfragen und fand persönliche Anknüpfungspunkte – etwa beim Thema Schutzschild, das auch Politiker*innen oft aus Selbstschutz aufbauen müssen. Auch das ambivalente Verhältnis zu Make-up konnte sie gut nachvollziehen.
Gemeinsam sprachen sie über die Frage, wie obdachlosen Menschen mit psychischen Erkrankungen besser geholfen werden kann. Einigkeit bestand darin, dass niedrigschwellige Angebote essenziell sind – und dass es davon viel mehr geben muss.